Erster Freund

Hilfe – meine Tochter hat ihren ersten Freund!

Heute war es also soweit: Meine Tochter – mittlerweile 16 Jahre alt und mitten in der Pubertät – brachte heute zum ersten Mal einen Jungen mit nach Hause. Ihren ersten Freund wie ich später erfuhr! Nun, wie soll ich es beschreiben, zunächst war ich sehr überrascht, denn ich war davon ausgegangen, dass sie wie immer pünktlich um zwei aus der Schule nach Hause zum Mittagessen kam. Doch dem war nicht so. Statt um zwei, kam sie um halb drei. Und das nicht allein: Neben ihr stand ein großer, blonder junger Kerl ähnlichen Alters – okay, vielleicht ein bisschen älter, vielleicht 17.

Nun stand ich also da – völlig überfordert – für zwei Personen hatte ich eigentlich kein Mittagessen gekocht  und eigentlich hatten wir für heute keinen Besuch erlaubt – einen Jungen hatte sie dazu noch nie mit nach Hause gebracht.

Noch immer überrascht wollte ich meine Tochter dennoch wie gewohnt zunächst begrüßen und wie immer eigentlich umarmen, doch gerade als ich das tun wollte, drückte sie mich entschlossen weg und sagte dabei nur, fast schon leicht gereizt: „Ist gut Mama, hör auf damit!“ Ich war ein wenig schockiert, dennoch bat ich die beiden zum Essen herein.

So saß ich also mit meiner Tochter und dem jungen Mann, welcher sich als Marvin vorgestellt hatte, an unserem Essenstisch und da sie die einzige war, die etwas aß, entschied ich mich unseren Besuch doch mal ein bisschen näher kennenzulernen. Ich fragte ihn: Und ihr kennt euch aus der Schule, Marvin, oder woher kommt der Kontakt?“ Gerade als er etwas antworten wollte, ließ meine Tochter ihre Gabel fallen und sagte harsch: Nein, Mama, Marvin arbeitetet bereits, er macht eine Ausbildung.“ Jetzt war ich völlig baff. Ehe ich ihn fragen konnte, wo die beiden sich denn kennengelernt hatten und als was er denn arbeite, griff sie seinen Arm und sagte dabei: „Komm Marvin, wir gehen nach oben!“

Ich war nun richtig verwirrt. Ich meine, ich war es seit einiger Zeit schon gewohnt, dass sie ihrem Vater und mir etwas gereizter gegenübertrat, vermutlich wegen der Pubertät, dennoch fände ich es nach wie vor angemessen, mir Bescheid zu geben, wenn sie Freunde mit nach Hause bringt. Besonders wie heute ihren ersten Freund. Immerhin gibt es doch noch so viele Dinge, über die ich vorher gerne mit ihr reden würde. Wie wichtig es ist, dass sie jetzt nicht die Schule vernachlässigt, ihre Hobbies oder gar ihren Freundeskreis! Außerdem mache ich mir Sorgen – immerhin war Marvin ein ganzes Jahr älter als sie. Was ist, wenn sie Dinge machen, zu denen sie sich noch gar nicht bereit fühlt, die sie eigentlich noch gar nicht will?

Naja, vielleicht sollte ich meiner Tochter einfach nach wie vor vertrauen. Immerhin hatten wir immer ein sehr gutes Mutter-Tochter Verhältnis – weitaus besser als beispielsweise das einer  meiner Freundinnen mit ihrer Tochter. So wie ich sie kenne, was ich ja schon ihr ganzes Leben lang tue, kann sie sehr gut ausdrücken, was sie will und was sie gar nicht will. Sie ist ja auch keine acht mehr, sondern schon 16. Pubertät hin oder her, ich weiß dass ich ihr vertrauen kann und sie weiß dass sie mit mir über alles reden kann. Außerdem scheint mir der Marvin auf den ersten Blick auch ein ganz Netter zu sein.

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