Basteln zum Muttertag

Ein Mutterherz

Ja, das waren noch Zeiten. Verschrumpelte Papierherzen ungelenk ausgeschnitten. Lobeszeilen und Huldigungen wahlweise in Schönschrift oder Krakellettern – je nach Begabung des jeweiligen Kindes. So süß. Es gibt sie noch. Manche verblichenen Liebesbezeugungen hängen noch immer an Schrankschlüsseln. Die schönsten Exemplare liegen für spätere Überraschungen in den Erinnerungskisten mitsamt der ersten Mütze, dem ersten Sechser im Diktat, der Frontseite der Tageszeitung vom Tag der Geburt, etc. Besondere Momente konserviert in einem einzigen Schuhkarton.

Dabei gab es so viele Erlebnisse, dass Zalandos Zentrallager nicht ausreichen würde, um all die rührenden, lustigen und spannenden Anekdötchen zu archivieren. Wohl dem, der diszipliniert Tagebuch führt. Oder Brieffreundschaften pflegt – da wurden auch die ätzenden Trotzphasen jeder Altersstufe ungeschönt festgehalten. Trifft man alte Freunde wieder, erinnern sie einen an Begebenheiten, die man selbst schon komplett im Gedächtnis vergraben hat. Inklusive pädagogischer Fehlleistungen (so was soll ich gesagt haben?).

Im Kindergarten musste ein Wochenend-Tagebuch geführt werden, damit die Erzieherin am Montag seinen Erzählungen besser folgen konnte, denn der Bub war schon immer sparsam mit Worten. Vielleicht war es ja auch ein bisschen soziale Kontrolle (Den ganzen Sonntag, von morgens 6 Uhr, mit Chips und Cola vor der Glotze verbracht – so was hätte man mal spaßeshalber reinschreiben sollen). Jedenfalls ist das ein einmaliges, wertvolles Dokument für trübe Regentage eines fernen Tages im Altersheim. Was man alles getrieben hat? Wie bunt und spannend es bisweilen zuging. Der Stolz der Mutter, als das erste derbe Schimpfwort fehlerfrei und für alle Passanten klar verständlich aus zartem Munde kam. Dramatische Szenen mit aufgeschürften Knien und Bienenstichen in der Kleewiese. Detailfragen zur Fortpflanzung in der Warteschlange an der Supermarktkasse. Eine Woche Ferien bei Oma – mit Gepäck für drei.

Man hätte seinerzeit auch die Pubertät pingelig dokumentieren sollen, um dann eines Tages dem Enkelkind zum 14. feierlich ein gebundenes Werk zu überreichen. Schade eigentlich. Das wär ein Muttertag!

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