Fahrradhelm

Fahrradhelme – Any promotion is good promotion

Ob es dazu führt, dass Radfahrer zukünftig daran denken, einen Fahrradhelm zu tragen, ist ungewiss. Aber eines hat die Aktion schon bewirkt – man spricht darüber. Ein riesen Bohei. Das ist Werbung at its best.

Auch wenn der Aufreger wieder einmal nur der Art und Weise gilt, statt der Sache an sich. Immerhin. Würde das Thema Helmschutz ähnlich wie Warnhinweise auf Zigarettenschachteln behandelt und hirngeschädigte Patienten in der Reha zeigen, gäbe es bestimmt weniger Theater.

Aber wie soll`s sonst gehen?

Schon vor Jahrzehnten gab es auf Taiwan (23 Millionen Einwohner, 14 Millionen Scooter) ein simples Plakat zum Thema Helm: ein aufgeschlagenes Ei an der Bordsteinkante. Wenn ich kurz zögere, ob sich für eine kurze Strecke ein Helm überhaupt lohnt, kommt es mir sofort in den Sinn. In der Regel funktioniert Erziehung aber eher durch unmittelbare Konsequenzen, als durch den Appell zur Einsicht. Ein Kollege kommentierte nach der Einführung eines Bußgeldes für Gurtmuffel: „Bisher hat es nur das Leben gekostet, wenn man sich nicht angeschnallt hat. Aber neuerdings kostet es 40 Mark! Da geht’s plötzlich!“

Ohne die Unterstützung von Bußgeldbescheiden muss man andere Tricks anwenden. Ich finde, die Richtung stimmt schon mal. Und die Sprache auch.

Die Kampagne richtet sich schließlich laut Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, in erster Linie an junge Menschen, bei denen die Helmtragequote erschreckend niedrig sei. Die Generation Z, die sich vornehmlich darum zu kümmern scheint, nicht vom Mainstream abzuweichen – was aber eigentlich schon immer dieser Altersgruppe entspricht. In dieser Phase muss das Äußere stimmen, die richtigen Sneakers, das richtige Smartphone, die richtige Frisur. Ein Leben voller Must-have und Must-do. Da gehört der Helm aber leider noch nicht dazu.

Helm als Kult-Objekt

Irgendeiner müsste ihm so einen Touch verpassen wie Air-Jordan-Tretern oder Calvin-Klein-Buxen. Vielleicht sollte Ronaldo mit Helm kicken. Oder Bushido mit Helm rappen. Influencer wie Lisa & Lena oder Pamela Reif müssten täglich mit einem glitzernden Silber-Helm um den Stadtpark radeln. Ein Gucci-Modell. Ein Kultobjekt zum Angeben. Wenn Tattoos und Haartracht kritiklos übernommen werden, warum nicht auch der Kopfschutz? Helm = Lifestyle.
Wenn´s der Sache dient.

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