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Für den Pflegefall selbst entscheiden

 Von Pflegebedürftigkeit im Alter sind Frauen und Männer gleichermaßen betroffen. So schön der Gedanke auch ist, den Lebensabend bei körperlicher und geistiger Gesundheit bis ins hohe Alter selbstbestimmt gestalten zu können, zeigen die Statistiken auf Basis der Angaben von Pflegekassen doch, dass immer mehr Menschen im Alter pflegebedürftig werden. Wie das Statistische Bundesamt in seiner 2017 veröffentlichten Pflegestatistik 2015 mitteilte, waren im Dezember 2015 fast 2,9 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Das bedeutet einen Anstieg von 8,9 Prozent zum Jahr 2013. Über 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen waren mindestens 65 Jahre alt, 37 Prozent wurden der Statistik zufolge erst im Alter von 85 Jahren oder später pflegebedürftig.

Der größere Anteil der pflegebedürftigen Menschen entfällt auf den weiblichen Teil der Bevölkerung. 64 Prozent der Pflegebedürftigen sind laut Angaben des Statistischen Bundesamtes weiblich. Deshalb sollten vor allem Frauen frühzeitig darüber nachdenken, wie sie sich ihren Lebensabend im Falle einer Pflegebedürftigkeit vorstellen und ihre persönliche Altersvorsorge um diesen wichtigen Aspekt erweitern.

Das Thema Pflegebedürftigkeit nicht auf die lange Bank schieben

Vor allem in finanzieller Hinsicht hängen Altersvorsorge und Pflegebedürftigkeit eng zusammen, denn wer im Alter auf eine intensive Betreuung angewiesen ist, braucht die nötigen finanziellen Mittel. Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt in Abhängigkeit vom Grad der Pflegebedürftigkeit nur einen Teil der entstehenden Kosten ab. Wer im Alter abgesichert sein möchte, kommt deshalb um einen zusätzlichen Schutz wie zum Beispiel eine Pflegezusatzversicherung, eine Pflegekostenversicherung, eine Pflegetagegeldversicherung oder eine Pflegerentenversicherung nicht herum.

Aber nicht nur finanziell ist es wichtig, sich bereits in jüngeren Jahren mit der Möglichkeit der eigenen Pflegebedürftigkeit zu beschäftigen. Auch ganz grundlegende Entscheidungen wie zum Beispiel die Frage, ob im Falle der Pflegebedürftigkeit ein Pflegeheim in Frage kommt oder ob eine Betreuung im häuslichen Umfeld möglich ist sollten rechtzeitig in den Fokus rücken.

Leider ist die Bedeutung des Themas Pflegebedürftigkeit in den Köpfen jüngerer Menschen noch immer nicht fest genug verankert. Wie die Pharmazeutische Zeitung unter Berufung auf eine Umfrage der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2017 berichtet, haben sich rund 61 Prozent der befragten Versicherten im Alter zwischen 18 und 39 Jahren noch nicht mit der Möglichkeit der eigenen Pflegebedürftigkeit und ihrer Folgen beschäftigt. Erst in späteren Jahren steigt das Interesse an einer konkreten Vorsorge.

Dabei kann vor allem eine frühe Vorsorge Vorteile bieten. Nicht selten verschlechtert sich der gesundheitliche Zustand plötzlich und unverhofft, zum Beispiel durch einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder einen Unfall. Wenn ein Mensch von heute auf morgen zum Pflegefall wird, wirft das viele Fragen auf, die meist kurzfristig nach einer Antwort verlangen. Wer sich hier bereits im Vorfeld Gedanken zu den wichtigsten Eckpunkten gemacht hat, kann nicht nur sich selbst die Situation erleichtern, sondern auch Angehörige entlasten. So sollten beispielsweise wichtige Dokumente wie eine Patientenverfügung, eine Betreuungsverfügung, eine Vorsorgevollmacht, oder auch ein Testament schon im Vorfeld aufgesetzt und notariell beurkundet werden. Dadurch entfallen unter Umständen langwierige und komplizierte Rechtsstreitigkeiten, die eine optimale Betreuung im Pflegefall verzögern können.

Pflegeheim oder häusliche Betreuung?

Wenn selbst die kleinsten Verrichtungen im Alltag zu einem Problem werden, bedeutet das einen schweren Einschnitt in die Selbstständigkeit und damit in die Lebensqualität. Für die meisten Menschen steht bei der Planung einer möglichen Pflegebedürftigkeit die Frage im Mittelpunkt, wo sie ihren Alltag gestalten möchten, wenn sie eines Tages auf Hilfe angewiesen sind. Ein Pflegeheim bietet eine besonders umfangreiche Betreuung, ist aber auch meist mit hohen Kosten verbunden. Außerdem fällt es vor allem älteren Menschen oft nicht leicht, ihr gewohntes Umfeld zu verlassen.

Auch für Paare kann es wichtig sein, sich darüber auszutauschen, wie sie mit einem potentiellen Pflegefall umgehen möchten. Ist eine Betreuung im häuslichen Umfeld durch den Partner die einzige Option? Soll ein stark pflegebedürftiger Partner in eine Pflegeeinrichtung verlegt werden? Oder besteht vielleicht sogar die Möglichkeit, gemeinsam in ein Pflegeheim umzuziehen, um den Lebensabend dort mit Unterstützung auch weiterhin gemeinsam zu gestalten? Vieles ist möglich. Deshalb sollten die persönlichen Wünsche und Vorstellungen klar kommuniziert werden.

Pflege in den eigenen vier Wänden

Wenn eine Betreuung im häuslichen Umfeld in Betracht gezogen wird, sollten die Details gut durchdacht werden. Zunächst stellt sich die Frage, ob die Pflege durch Angehörige übernommen werden kann. Hier gehen Wunschvorstellungen und das tatsächliche Leistungsvermögen oft stark auseinander. Vor allem eine intensive medizinische Betreuung kann in den meisten Fällen von den Angehörigen gar nicht geleistet werden. Hier ist geschultes Fachpersonal nötig, wenn es zum Beispiel um die Dosierung und Verabreichung von Medikamenten oder die fachgerechte Überwachung des Gesundheitszustandes geht. Auch die körperlichen Anforderungen an eine Betreuungsperson und der gravierende Einschnitt in den eigenen Alltag sollten nicht außer Acht gelassen werden.

Eine gute Alternative zur Pflege durch Angehörige bietet die Betreuung im häuslichen Umfeld durch einen Pflegedienst. Das geschulte Fachpersonal kann bei Bedarf rund um die Uhr Unterstützung anbieten und sowohl bei den täglichen Verrichtungen des Alltags wie der persönlichen Hygiene, Arztbesuchen und Einkäufen behilflich sein als auch die medizinische Betreuung über Medikamente oder medizinische Gerätschaften vor Ort gewährleisten. Häufig arbeiten häusliche Pflegedienste mit geschultem Fachpersonal aus Osteuropa zusammen, das je nach Bedarf auch im Haushalt der pflegebedürftigen Person lebt, um eine lückenlose Betreuung rund um die Uhr zu gewährleisten. Weiterführende Informationen über die Möglichkeiten einer häuslichen Pflege, die Kosten, die je nach gewähltem Betreuungsmodell anfallen können und die rechtlichen Hintergründe rund um die Beschäftigung einer Pflegekraft im häuslichen Umfeld sind unter Vilena.de zusammengestellt.

Das Pflegeheim als Alterswohnsitz

Nicht immer ist es möglich, im Pflegefall in den eigenen vier Wänden betreut zu werden. Nicht behindertengerechte Wohnverhältnisse und mangelnde Umbaumöglichkeiten sind ein häufiger Grund, im Pflegefall über einen Umzug in eine Betreuungseinrichtung nachzudenken. Aber auch der Kontakt zu anderen Menschen kann ein großer Vorteil in einer betreuten Wohneinrichtung sein.

Die meisten Pflegeheime bieten heute nicht nur die Möglichkeit, soziale Kontakte zu pflegen und an einem umfangreichen Freizeitprogramm teilzunehmen, sondern auch auf die individuelle Pflegebedürftigkeit angepasste Betreuungskonzepte. Das bedeutet, dass die Bewohner einer Pflegeeinrichtung sich so lange wie möglich ihre Eigenständigkeit im Alltag erhalten können und nur das Maß an Betreuung in Anspruch nehmen, das wirklich erforderlich ist. Vielfach ist es auch möglich, dass Paare gemeinsam in ein Pflegeheim umziehen und dort unter Inanspruchnahme der angebotenen Unterstützung ihren Alltag weiterhin gemeinsam gestalten.

Vor allem Menschen, deren Pflegebedürftigkeit eine intensive medizinische Betreuung mit sich bringt, sind in einem Pflegeheim oft gut untergebracht. Das betreuende Personal ist speziell geschult und kann jederzeit erforderliche medizinische Maßnahmen ergreifen. Eine derart lückenlose Betreuung auch im medizinischen Notfall ist im häuslichen Umfeld nicht immer zu gewährleisten.

In den letzten Jahren hat eine weitere Alternative zum Pflegeheim Gestalt angenommen. Die so genannten Senioren-WGs erfreuen sich vielerorts großer Beliebtheit. Dabei gestalten ältere Menschen ihren Alltag gemeinsam und unterstützen sich gegenseitig bei den täglichen Verrichtungen. Eine Senioren-WG kommt aber vor allem für Menschen in Betracht, die sich in einem guten gesundheitlichen Allgemeinzustand befinden. Eine intensive Betreuung im Pflegefall ist bei diesem Modell sicher nicht leistbar.

Ganz gleich, ob es ein Umzug ins Pflegeheim oder doch eine intensive Betreuung in den eigenen vier Wänden werden soll, die eigene Pflegebedürftigkeit ist ein Thema, das auch in früheren Lebensabschnitten bereits Beachtung verdient. Wer frühzeitig die Weichen stellt und eigene Vorkehrungen trifft, hat auch im Ernstfall das gute Gefühl, seinen Lebensabend noch selbstbestimmt gestalten zu können.

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