Beruf in der Männerdomäne: Frauen holen auf

Nach wie vor wird unsere Berufswelt zu gerne in Männer- und Frauenberufe unterteilt. Einige Berufsfelder, etwa in der Technik, sind in den Köpfen vieler weiterhin den Männern vorbehalten. Doch mit der steigenden Wichtigkeit der Gender Equality, die heute immer mehr an Fahrt gewinnt, holen Frauen auch in den sonst von Männern dominierten Bereichen auf. Heute sieht man auch in der Männerdomäne zunehmend Frauen, die ihr Zeichen setzen und das weibliche Geschlecht vertreten.

Erstmals mehr Anwältinnen als Anwälte

Im Jahr 2017 wurden in Deutschland zum ersten Mal mehr Anwältinnen als Anwälte verzeichnet. In jenem Jahr fielen 52 Prozent der Vereidigungen der Rechtsanwaltskammern auf Frauen. Im Vergleich zum Vorjahr entsprach dies einem Zuwachs von drei Prozent der Juristinnen. Die Justiz in Deutschland wird somit weiblicher, bereits jetzt werden mehr Richterinnen als Richter und auch mehr Staatsanwältinnen als Staatsanwälte angestellt. Das Berliner Kammergericht geht hier als Vorbild voran, denn hier sind Präsidentin und Vizepräsidentin weiblich, während sechs von elf Amtsgerichten von Frauen geleitet werden. Die Fachgebiete umfassen die Rechtsgruppen Familienrecht mit 47 Prozent, Arbeitsrecht mit 36 Prozent und Sozialrecht mit 16 Prozent. Wie die FAZ berichtete, wird diese Entwicklung zu neuen Strukturen in vielen Kanzleien sorgen, die den Ansprüchen der Frauen mehr gerecht werden müssen, um diese im Berufsfeld halten zu können.

Die Spielebranche sucht Frauen

Computerspiele gewinnen an Bedeutung und Anerkennung. Die Geschlechterverteilung der Gamer ist sehr ausgeglichen, denn 47 Prozent der Spieler sind weiblich. In den Unternehmen der Branche reflektiert sich dies noch nicht, denn lediglich 22 Prozent der Mitarbeiter des Gamingsektors sind Frauen. Es verstärkt das bestehende Klischee, dass es sich bei der Tech-Branche um eine Männerdomäne handelt. Die Marke Xbox von Microsoft gehört im Jahr 2019 zu den wertvollsten Marken der Welt, sie haben als Videospielmarke eine Initiative gestartet, um mehr Frauen für die Spielebranche zu begeistern. Die Berufschancen in der Branche sind in der heutigen Zeit vielseitig und sprechen nicht nur Männer an. Neben Jobs als Designerin, Spieletesterin und im Marketing warten auch technisch basierte Positionen wie jene der Programmiererin. Auch in der Glücksspielbranche werden Frauen zunehmend eingestellt, so etwa beim Glücksspielanbieter Mr Green, der 2007 in Schweden gegründet wurde und mit einem Umsatz von über 121 Millionen Euro erfolgreich auf dem Markt agiert. Ihre Customer Service Managerin Leah Griffin gewann 2017 den Woman in Gaming Award. Auch zahlreiche weitere Chefpositionen, wie bspw. die des Green Gaming Teams werden hier von Frauen angenommen.

Vorurteile bestehen

Ein starkes Problem der weiblichen Repräsentation in einer von Männern dominierten Branche sind häufig fest verankerte Vorurteile. Besonders in technischen Berufen besteht weiterhin das Bild, dass Männer hier besser aufgehoben seien als Frauen. Bestehende Klischees schrecken Frauen potenziell davon ab, einen Werdegang in einer derartigen Branche zu beginnen. Um dem Bild des Mannes in der technischen Branche entgegenzuwirken, haben sich zunehmend Förderprogramme entwickelt, die den Frauenanteil in derartigen Berufen erhöhen sollen. Dieser lag im Bereich MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) bei gerade einmal 15 Prozent. Für viele Frauen sind die traditionellen Rollenbilder häufiger Grund, einen anderen Weg einzuschlagen. Um diesem entgegenzuwirken kann davon ausgegangen werden, dass Unternehmen dieser Branchen mehr dafür tun werden, auch Frauen anzusprechen und ein attraktives Arbeitsumfeld zu kreieren.

Die Frage zur Frau in der Arbeitswelt könnte in der heutigen Zeit, wo die Wörter Gender Equality und Gender Pay Gap immer mehr in den Nachrichten zu lesen sind, kaum aktueller sein. Zwar gibt es nach wie vor die Männerdomänen, doch ist es Zeit für eine Umgestaltung. Vorurteile und Chancenungleichkeit sollten heute keinen Platz mehr finden dürfen.

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