Sattelfest

Sattelfest

Die Sonne lockt uns an die Luft. Ein neues Fahrrad muss her. Es gibt vieles zu beachten. Mit oder ohne Strom. City- oder Mountainbike. Die Größe muss stimmen. Die Handgriffe sollten ergonomisch sein. Die Lenkertasche muss zum Outfit passen. Besser: der Sattel zum Hinterteil.

Keine leichte Wahl!

Mit dem falschen macht das Radeln keinen Spaß. Stichwort: Sitzbeinhöcker. Auf diesen beiden Knochenenden sitzt die Radlerin. Frauen haben, laut Prof. Ingo Froböse von der Sportschule Köln, im Vergleich zu Männern einen bis 1,5 cm größeren Abstand zwischen ihren Sitzbeinhöckern. Deswegen braucht es geschlechtsspezifische Sattel. Da hilft nur: ausprobieren und den Abstand ausmessen lassen. Anhand eines Abdrucks auf einem Gelkissen kann der Fachmann die Sitzfläche bestimmen. Es gibt spezielle Vermessungs-Sets sogar online.

Selber testen

Eine einfache Methode für zu Hause: Dazu braucht es eine ebene, harte Sitzfläche (z.B. Bierbank) und ein Stück weiche Pappe, am besten Wellpappe. Man setzt sich aufrecht auf die Pappe und versucht, das Gewicht auf die Sitzknochen zu verlagern. Auf diese Weise werden die Sitzknochen in die Pappe gedrückt. Hinterher wird das Zentrum jeder Druckstelle gekennzeichnet und der Abstand dazwischen bestimmt die individuelle Sitzbreite.

Wo soll´s denn hingehen?

Wesentlich ist auch der Einsatzbereich. Auf dem Stadtrad sitzt man eher aufrecht und braucht deshalb einen größeren Sattel. Auf dem Rennrad verteilt sich das Gewicht aber mehr auf Lenker und Pedale, da sollte der Sattel schmaler gebaut sein. Die Oberschenkel dürfen nicht dauerhaft an der Sattelkante entlangscheuern. Passen Sattel und Hinterteil nicht zusammen, können sich schnell unangenehme Effekte zeigen. Abgesehen von wunden Stellen kann es zu Taubheitsgefühlen durch Druckstellen kommen. Die schlechtere Durchblutung kann sogar Veränderungen am Gewebe zur Folge haben. Allerdings lässt sich schnell feststellen, ob die Kombination passt. Wer innerhalb von zwei Stunden keine Probleme hat, der sitzt richtig. Wenn sich in dieser kurzen Zeit allerdings Schmerzen am Sitzbein oder Taubheitsgefühle bemerkbar machen, raten Fachleute zum Sattelwechsel.

Alles eine Frage der Einstellung

Gleichzeitig sollte auch darauf geachtet werden, dass die Position stimmt. Oft ist der Sattel nämlich zu hoch montiert, was dazu führt, dass das Becken viel zu stark in Bewegung ist und die Radlerin ständig von einer Seite zur anderen schwankt. Faustregel: eine Ferse sollte, wenn man auf dem Sattel sitzt, auf einem Pedal ruhen, welches sich auf der untersten Position befindet. Dabei darf dieses Bein nicht komplett durchgedrückt sein. Von wenigen Ausnahmen abgesehen wird der Sattel waagrecht montiert.

Und elektrisch?

Für E-bikes gibt es einen Extra-Sattel, mit einem höheren Heck. Diese Form soll verhindern, dass der Radler beim schnelleren Vortrieb ungewollt zu weit nach hinten rutscht.
Kunststoff oder Leder? Das ist reine Geschmackssache. Allerdings passt sich ein hochwertiger Ledersattel seinem Besitzer über die Jahre an und wird deshalb meist auch auf ein neues Rad übernommen. Am Ende hilft nur eines: Probefahren.

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