Blühende Gärten und Balkone als Paradies für Wildbienen

Blühende Gärten und Balkone als Paradies für Wildbienen

Wusstest du, dass es in Deutschland etwa 580 Arten von Wildbienen gibt? Über die Hälfte davon gilt als gefährdet und steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Da Wildbienen aber vielfältige und effiziente Bestäuber sind, spielen sie in unserem Ökosystem eine bedeutende Rolle. Sie sorgen dafür, dass die unzähligen heimischen Wildpflanzen zuverlässig bestäubt werden, um Früchte und Samen zu produzieren und sich fortzupflanzen. Ohne Wildbienen würden viele Wild- und Kulturpflanzen aussterben, was somit zu einem enormen Verlust und einer starken Verarmung der Biodiversität führen würde – auf dem Land genauso wie in der Stadt.

Da viele Wildbienenarten wie etwa die Rote und Gehörnte Mauerbiene auch in der Stadt zu Hause sind, kann man ihnen auch im eigenen Garten oder auf dem Balkon rasch Gutes tun. Da Mauerbienenweibchen am Tag mehr als 2.500 Blüten bestäuben können, profitiert von dieser Unterstützung übrigens gleich die ganze Umgebung, auch in der Stadt.

Der Balkon als bunte Oase für Wildbiene und Familie

Mit einigen Pflanz-Tipps kannst du auf deinem Balkon oder der Terrasse schnell Gutes für die fleißigen Bestäuber tun. Denn die meisten Wildbienenarten benötigen bis auf (nahrhafte) Blüten in der näheren Umgebung und einem sonnigen Nistplatz  nicht sonderlich viel. Wildbienen zu fördern ist darum also auch zu Hause auf dem Balkon keine große Herausforderung.

So gibt es gerade für den heimischen Balkon schöne Pflanzen, die Wildbienen beim Start in den Frühling unterstützen. Und dabei zugleich noch ziemlich hübsch und bunt blühen. Diese Blumen und Stauden sind somit nicht nur etwas für das Auge, sondern passen auch gut zu den Bedürfnissen der fleißigen Insekten. Viele Wildbienenarten sind für ihr Überleben nämlich auf ein breites Angebot an einheimischen Wildblumen angewiesen – und finden hier Pollen und Nektar, die sie für die Ernährung ihres Nachwuchses brauchen.

Balkon-Frühblüher: Wildblumen für Mauerbienen & Co.

Viele Wildbienenarten sind bereits vor den Honigbienen unterwegs. Dazu gehört zum Beispiel die Gehörnte Mauerbiene, die bereits mit den ersten Sonnenstrahlen im März schlüpft und somit schon im zeitigeren Frühjahr unterwegs sind. Bereits mit ihrem Erwachen sind die fleißigen Summer dabei auf der Suche nach Pollen und Nektar, setzen durch ihren „frühen Flug“ zudem auf ein anderes Nahrungsangebot als ihre domestizierten Schwestern, die Honigbienen.

Auch für die Rote Mauerbiene oder andere Frühflieger wie etwa die Königin der Erdhummel oder die Frühlingspelzbiene sind darum gerade Frühblüher wie Blausterne, Traubenhyazinthen, Blaukissen, Christrosen, Nieswurz, Krokusse oder Primeln eine wertvolle Stärkung – und machen sich ganz nebenbei auch auf dem Balkon, der Terrasse oder dem Garten gut.

Wer Wildbienen dagegen auf einem kleinen Flecken seines Gartens oder Balkons mit einjährigen Pflanzen aus der Samentüte unterstützen will, kann besonders auf fertige Samenmischungen mit Kornblume, Klatschmohn, Wilde Möhren, Kamille oder auch Ackersenf achten. Auch das sind wertvolle Pollen- und Nektarspender für die Bestäubungsexperten.

Sommer-Blüher für Garten, Balkon und Wildbienen

Eine noch größere Auswahl für Mensch und Wildbiene gibt es bei wildbienenfreundlichen Stauden. Die sorgen für eine mehrjährige Blütenpracht, da sie zwei- bis mehrjährig blühen. Auch zahlreiche Wildstauden sind eine schöne Nahrungsquelle, die auf vielen (städtischen) Balkonen Platz finden und in der Regel dazu noch pflegeleicht sind. Ab Mai blühen als Nahrungsgrundlage für viele Wildbienenarten etwa Hornklee, Wiesen-Salbei, Gelber Wau, Pfirsichblättrige Glockenblume, Schopfiger Hufeisenklee, Aufrechter Ziest, Tauben-Witwenblume oder die Rundblättrige Glockenblume.

Da die verschiedenen Wildstauden zu unterschiedlichen Zeiten blühen, helfen sie auch späteren Wildbienenarten bei ihrer Suche nach Nahrung. So fangen die Blütezeiten der Nesselblättrigen Glockenblume oder der Färberkamille, der Skabiosen-Flockenblume, dem Heilziest und dem Ochsenauge erst ab Juni oder Juli an. Mit der richtigen Mischung an Wildstauden schafft man damit als Garten- oder Balkonbesitzer nicht nur ein ganzjähriges Nahrungsangebot für viele Wildbienenarten, sondern schafft sich auch schnell und einfach eine buntblühende Oase, die Haus, Hof und Balkon das gesamte Jahr über abwechselnd farbenfroh begleitet.

„Dekorations-Ideen“: Auch für Wildbienen ein Gewinn

Beim fleißigen Pollensammeln fliegen die Wildbienen zwischen Wildblumen und ihrem Nistplatz hin und her. Deshalb gilt: Je kürzer ihre Sammelflüge sind, desto mehr Nachwuchs können die Bestäubungsprofis mit Pollen und Nektar versorgen. Wer bereits einige Wildblumen in seinem Garten oder auf dem Balkon gepflanzt hat, kann somit zusätzlich für passende Nistmöglichkeiten sorgen. Damit werden Garten oder Balkon dann wohl endgültig zu einem kleinen „wunschlos glücklich“-Paradies für die fleißigen Brummer. Das geht schon mit überraschend einfachen Tipps, die gleichzeitig sogar eine nette Dekoration sind.

Leere Schneckenhäuschen als Unterschlupf

Eine kleine und feine Idee sind leere Schneckenhäuser. In ihnen nisten nämlich recht seltene Vertreter der Wildbienen –Schneckenhaus-Mauerbienen. Das Schöne ist, dass diese Art der „Unterschlupf-Hilfe“ gleich mit einem netten Spaziergang in der Sonne verbunden werden kann, wenn man nämlich in Feld und Wald auf die Suche nach leeren Schneckenhäusern geht.

Werden die leeren Schneckenhäuschen nach dem Sammeln an einer sonnigen, im Garten zusätzlich wenig bewachsenen Stelle platziert, hilft das dem Wildbienchen schon weiter. Es kann zwar eine Weile dauern, aber dann kann es passieren, dass eine Schneckenhaus-Mauerbiene damit beginnt, in einem der Schneckenhäuser zu nisten. Sobald eine Schneckenhaus-Mauerbienen die Nisthilfe entdeckt, legt sie nämlich ihre Brutzelle im Innern der Schneckenhäuschen spiralförmig an und dekoriert das Häuschen außen hübsch mit Pflanzenmörtel. Sobald das passiert ist, gilt auf jeden Fall natürlich ein „nur gucken, nicht anfassen“, damit die seltene Wildbienenart nicht gestört wird.

Wildbienen-Nisthilfe für Balkon und Garten

Eine einfache und praktische Möglichkeit ist es auch, den Wildbienen ein Häuschen mit passenden Niströhrchen bereitzustellen. In einem BeeHome etwa finden Mauerbienen und viele weitere Wildbienenarten ideale Nistbedingungen – und eine Startpopulation mit harmlosen Mauerbienen ist im Frühjahr auch gleich noch dabei. Nachdem die bei Ihnen eingetroffen ist, schlüpfen die Mauerbienen nach etwa 10 bis 30 Tagen und gehen direkt auf Pollen- und Nektarsuche – und bestäuben dabei allerlei Pflanzen und Obstbäume. Und das nicht nur rund um ihren Garten, sondern natürlich auch mittendrin.

Wer selbst eine Nisthilfe für Wildbienen bauen will, sollte ein paar Grundregeln befolgen. Denn leider bringen viele Wildbienen-Häuschen keinen Nutzen und bleiben leer – oder werden gar zur Gefahr für die Nachkommen. Darum sollte beim Bauen immer abgelagertes, nicht frisches Holz gewählt werden. Auch muss man eine Rissbildung beim Bohren vermeiden, indem man grundsätzlich ins Längsholz bohrt. Auch bei Schilf- oder Bambusröhrchen dürfen die Eingänge keinesfalls gesplittert sein. Rundum geschlossene Plastik- oder Glasröhrchen sind für die Nachkommen ebenfalls gefährlich, da die Gefahr von Pilzbefall besteht. Zudem bewohnen Wildbienen keine Loch- und Hohlziegel, sondern lediglich Strangfalzziegel.

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Über den Wildbienen-Experten

Yannick Schauwecker ist Wildbienenexperte bei BeeHome Pollinature in Konstanz und lebt mit seiner Freundin und den zwei Kindern in Zürich. Der 34-Jährige hat Umweltingenieurwesen (ZHAW) in Wädenswil am Zürichsee studiert und zuvor vielseitige praktische Erfahrung gesammelt: unter anderem als Chemielaborant, Gärtner, Florist, Zimmermannsgehilfe und Schulbesucher für den WWF. Der Naturbursche schaut Wildpflanzen nicht nur gerne an, sondern nutzt sie auch als Zutaten beim Kochen – am liebsten auf dem offenen Feuer.

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