Das Informationsportal von Frauen für Frauen. Seit 2007.

Höhlen-Taschen

Schon wieder so eine Frauensache, bei der ich nicht mithalten kann. Wie Schuhe, Faltencreme und begehbarem Kleiderschrank. Ich habe im Ganzen nur drei: eine schwarze für Beerdigungen, ein Canvas-Modell für rustikale Wochenendtrips und ein Lieblingsteil aus derbem Leder für jeden Tag – meine Handtasche für mindestens eine Dekade. Es ist ja schon eine schwere Geburt, bis ich überhaupt die richtige gefunden habe und dann muss diese locker die nächsten zehn Jahre durchhalten. Denn der Abschied fällt mir schwer, auch wenn oder gerade weil sie bis dahin schon ein bisschen nach Hund riecht und so aussieht, als wäre sie mehrfach unter die Räder gekommen. Es muss alles Wichtige reinpassen und zwar an einen bestimmten Platz. Mit einer zur Baggerschaufel gekrümmten Hand im Dunkeln nach dem Schlüsselbund graben – ein No-go! Stichwort dunkel: warum ist das Innenfutter oft dunkel gehalten? Nicht zu toppen: schwarzer Velours. Da schimmert nix mehr. Keine Chance. Gut, wer einen ausgeprägten Tastsinn hat. Wenn man Kühlschränke und Wäschetrockner beleuchtet kann, warum nicht auch Höhlen-Taschen?

Unlängst hat ein Autor festgehalten, dass manche Handtaschen eine eigene Hausratsversicherung bräuchten. Was die Mädels auch immer so mit sich herumschleifen? Und wohin? Als ich vor ein paar Jahren das Töchterlein auf ein Konzert begleiten durfte, sah das Publikum aus wie ein Pulk von Wartenden am Gleis. Jede hatte einen vom Smartphonedisplay grünen Schimmer im Gesicht und eine Reisetasche über der Schulter.  Was war da drin? Für zwei Stunden Konzert? Eine komplette Ersatzgarnitur? Buxen zum Auf-die-Bühne-Werfen? Na gut, heutzutage sind ja auch Geldbörsen größer als Mutters Abendtäschchen.

Und weil die Promis es vormachen und ihre Marken-Beutel für den Sponsor am Ellenbogen in die Kamera halten müssen, gibt es heutzutage neben dem Golfer- (Tennis ist out) und dem Maus-Arm den Taschen-Ellenbogen.

HRH Elizabeth II und meine Oma hatten damit über die Jahre keine Probleme. In deren kleinen, steifen Täschchen befanden sich immer nur ein Kamm, ein Taschentuch (Spitze), ein Lippenstift (Queen) oder Pfefferminz (Oma).
Und sonntags die Kollekte.

Teile diesen Artikel mit anderen:

Hat dir dieser Beitrag gefallen?
Dann folge uns doch auf Facebook oder melde dich doch zu unserem Newsletter an und verpasse nie mehr die neusten Beiträge, Tests und Aktionen.